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Cape Braai

Warum das keine Wortklauberei ist

Braai ist kein Grillen

Der Unterschied ist nicht das Essen, sondern die Zeit und wer sie mit wem verbringt. Ein Braai dauert einen Nachmittag, das Feuer bleibt nach dem Essen an, und die Rolle am Rost ist vergeben, bevor jemand ankommt.

Braai-Stände an einer Straße in Khayelitsha, Kapstadt, mit Gästen an langen Tischen
FreddieA · CC BY-SA 3.0
Braai-Stände in Khayelitsha, Kapstadt. Gebraait wird an der Straße, gegessen an langen Tischen daneben — der Nachmittag ist der Anlass, nicht das Fleisch.

Braai, Grillen, BBQ

Die drei Wörter meinen drei verschiedene Sachen. Wer sie durcheinanderbringt, bekommt am Kap Widerspruch.

BraaiGrillenBBQ
Brennstoff Holz, das man selbst abbrennt Holzkohle oder Gas Holz oder Holzkohle, oft plus Räucherholz
Hitze direkt über Glut direkt indirekt, niedrig
Temperatur etwa 150 bis 250 °C 200 bis 300 °C 95 bis 135 °C
Dauer eine Stunde Feuer, eine Stunde Essen 20 bis 40 Minuten 6 bis 16 Stunden
Anlass der Nachmittag selbst die Mahlzeit das Fleisch
Feuer danach brennt weiter wird gelöscht wird gelöscht

Der 24. September

Fynbos-Vegetation an den Hängen des Tafelbergs
Daniel Case · CC BY-SA 3.0

Der 24. September ist in Südafrika Heritage Day — ein Feiertag für die Vielfalt der Kulturen im Land. In KwaZulu-Natal war derselbe Tag zuvor Shaka Day, benannt nach dem Zulu-König Shaka, dessen Todestag im Jahr 1828 auf dieses Datum gelegt wird.

2005 startete eine Kampagne, den Tag zusätzlich als National Braai Day zu begehen: ein Braai als das eine, was praktisch alle Bevölkerungsgruppen des Landes teilen. Initiator war Jan Scannell, besser bekannt als Jan Braai. 2007 übernahm Erzbischof Desmond Tutu die Schirmherrschaft.

Unumstritten ist das nicht. Kritiker halten dem entgegen, dass ein Feiertag für kulturelle Vielfalt nicht auf ein einziges Ritual verkürzt werden sollte — und dass der ursprüngliche Anlass in KwaZulu-Natal dabei verschwindet. Beide Namen sind heute in Gebrauch.

Die ganze Chronologie mit Fundstellen 18

Die ungeschriebenen Regeln

Es gibt genau einen am Rost

Der Braaimaster baut das Feuer und legt auf. Ungefragt mitzureden — „backseat braaing“ — gilt als Übergriff. Man steht daneben, redet und schaut zu.

Man bringt etwas mit

Auch ohne Aufforderung. Salat, Nachtisch, Getränke. Ein Bring-and-Braai ist kein Einladungsformat, sondern der Normalfall.

Nichts wird beschleunigt

Das Feuer braucht seine 40 Minuten. Wer drängelt, verrät, dass er es nicht verstanden hat — das ist der eine Fehler, der wirklich auffällt.

Gas zählt nicht

Technisch geht es, kulturell ist es eine Ansage. Ein Gasgrill liefert Hitze, aber keinen Rauch — und der Rauch ist die halbe Würze.

Das Feuer bleibt an

Nach dem Essen wird nicht abgeräumt und gelöscht. Man setzt sich wieder ans Feuer, und das ist der eigentliche Teil des Abends.

Braaibroodjies zuletzt

Wenn das Fleisch runter ist, kommt Brot auf die Restglut. Wer das Feuer vorher ausgehen lässt, hat einen halben Braai gemacht.

Ein paar Wörter

Die Wörter stehen jetzt vollständig im eigenen Register — mit Aussprache, wörtlicher Bedeutung und den Stellen auf dieser Seite, an denen sie vorkommen.

Zum Wortregister 81
braai
Verb und Substantiv zugleich. „Ons gaan nou braai“ heißt „wir grillen jetzt“, „kom braai“ ist eine Einladung.
braaivleis
wörtlich Grillfleisch. Das Wort, aus dem „braai“ gekürzt wurde.
braaimaster
die Person am Rost. Die Rolle wird nicht geteilt.
bring-and-braai
jeder bringt sein Fleisch und eine Beilage mit. Der Gastgeber stellt Feuer und Rost.

Wo es tiefer geht

Diese Seite erklärt, was ein Braai ist. Was dahintersteht — woher die Gerichte kommen, wann was ans Kap kam, wie draußen gebraait wird und was die Wörter heißen — steht auf eigenen Seiten.

Belege

Und jetzt praktisch: das Feuer →